Quo Vadis Industrie 4.0

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Die Aktivitäten des VDMA Landesverbandes Nord, z.B. auf der NORTEC 2018 oder als Veranstaltung “Quo vadis - Industrie 4.0“, werden aktuelle Themen aufgreifen und behandeln, damit sich Unternehmen ihrer eigenen Industrie 4.0 Herausforderung stellen und diese hinterfragen können.

Angepasste Strategien im Umgang mit den Möglichkeiten der Digitalisierung sind das Gebot der Stunde. Es gilt zu klären wie die Einflüsse von Industrie 4.0 nicht nur die Produkte und Prozesse verändern können und sollten, sondern vielmehr sind auch die Märkte, der Vertrieb, die Auswirkungen auf den Umgang mit den Produkten und das Geschäftsmodell zu betrachten. Was hilft es ein bisher erfolgreiches Produkt mit vielfältiger Sensorik auszurüsten, nur um später fest zu stellen, dass dies weder vom Markt noch von den bestehenden Kunden auch als Mehrwert erkannt wird. Vielmehr ist es notwendig das Produkt, die Prozesse, den Vertrieb, das Geschäftsmodell und den Einfluss des Produktes auf sich verändernde Arbeitsumgebungen zu hinterfragen. Dies muss strategisch, strukturiert und nach einem Fahrplan erfolgen, der den bisherigen Unternehmenserfolg analysiert und darauf aufbauend die zukünftigen Entwicklungen validiert. Ein bisher oft praktiziertes “Abkupfern“ von erfolgreichen Firmen, welche sich bereit auf den Weg gemacht haben, ist dabei nicht zielführend, denn es heißt eine eigene, angepasste und individuell ausgerichtete Unternehmensstrategie zu entwickeln. Die Lösungen im Industrie 4.0 Umfeld sind kaum, oder nur äußerst selten, auf die eigenen Ressourcen übertragbar.

Es gilt die persönliche Situation des Betriebes zu erfassen, daraus die folgenden Herausforderungen und etwaigen Probleme zu identifizieren und deren Auswirkungen auf den bestehenden Geschäftserfolg abzuschätzen. Erst dann kann mit geeigneten Nutzenbetrachtungen eine mögliche Strategieplanung im Industrie 4.0 Umfeld erfolgen. „Nun ja…“, werden die bisherigen Entwicklungsleiter, verantwortlichen Produktmanager und im Feld aktiven Vertriebsprofis sowie involvierten Geschäftsführer beisteuern, „…das ist ja bei weitem keine ganz neue Erkenntnis und Vorgehensweise!“ Und doch ist genau dies der Fall. Bisher haben sich genau diese Protagonisten in einen sehr engen Kreis darüber ausgetauscht, welche Aspekte für die weitere Entwicklung der Firma und deren Erzeugnisse entscheidend sind. Dabei wird aber leider der spezielle Einfluss der Vernetzung und der insgesamt sich verändernden Wahrnehmung in einer digital ausgerichteten Umgebung viel zu selten ausreichend Rechnung getragen. Die “Nerds“ und IT Junkies vergangener Jahre können hier Einblicke und Erkenntnisse beisteuern, welche den traditionellen Produktentwicklern kaum auf- und einfallen dürften. Darüber hinaus sind bestehende Entwicklungsprozesse immer noch stark von der Situation auf den Nutzen zugeschnitten, was wertvolle Erkenntnisse zu den wirklich interessanten Herausforderungen und den daraus resultierenden Auswirkungen ausblendet. Es ist die Kette von Situation – Problem – Auswirkung und Nutzen zwingend einzuhalten, ohne, wie so oft praktiziert, sofort von der Situation auf den Nutzen zu springen!

Ach du Schreck! Nun sollen die “EDV Heinis“, welche schon bisher in ihren Projekten mehr versprochen als beigesteuert haben, auch noch die Firmen- und Produktentwicklung beeinflussen? Das kann doch nur chaotisch enden! Und doch sind es genau diese, manchmal tatsächlich aus allen Konventionen fallenden Kräfte, welche neue und bisher unbedachte Aspekte einer vernetzten Kommunikation mit einstreuen. In wie weit sich darauf die strategische Ausrichtung des Unternehmens letztendlich ausrichtet, unterliegt weiterhin dem Kollektiv der Organisationseinheit “Betrieb“. Die Unternehmen, welche bisher wenig Berührung mit der Informationstechnologie (IT) und Telekommunikation (TK) hatten, sind aufgerufen sich dies Klientel ins Unternehmen zu holen, sei es als Projekt für einen absehbaren Zeitraum oder als Kooperation mit anderen Unternehmen, Hochschulen und sonstigen Quellen für “Nerds“. Dabei wird es schwierig genug den zumeist strukturiert aufgestellten Entwicklungsingenieur mit dem oft als chaotisch empfundenen IT Insider zusammen zu führen.

Schon längst hat sich die Wertschöpfung im Maschinen- und Anlagenbau über die Elektronik und Steuerungs- sowie Automatisierungstechnik in Richtung Software verschoben. Diversifizierung, Kundenbindung, Servicegeschäft, Margenstabilität und Rendite sind heute die erkennbaren Wegbegleiter eines zeitgemäßen Betriebes im Maschinen und Anlagenbau, auch wenn hin und wieder einige Unternehmen dieser Entwicklung erfolgreich zu trotzen scheinen. Die Masse hat erkannt, dass mechanische Kompetenzen oft schnell zu kopieren sind. Das können andere Regionen der Welt besser, kostengünstiger und schneller, auch wenn es immer Nischenmärkte geben mag in denen es sich zu tummeln lohnt.

Wenn sich aber das “Abkupfern“ von erfolgreich agierenden Protagonisten nicht wirklich lohnt, weil die individuelle Situation das kaum zu lässt, eine eingeschworene Entwicklungsgemeinschaft im Betrieb die Industrie 4.0 Einflüsse weiter beharrlich ignoriert, oder als Feigenblatt lediglich ein paar Sensoren im Produkt unterbringt, dann wird auf Basis dieses Beharrungsvermögens das Wohl und die Zukunft im Unternehmen verspielt. Es wird andere geben, die sich die entscheidenden Fragen stellen und sich die Arbeit machen auf die aktuellen Anforderungen einzugehen.

Abhilfe schafft der Austausch mit anderen Unternehmen aus der Maschinenbaubranche, bei gleichzeitiger Fokussierung auf die individuelle Situation des eigenen Unternehmens, wie es der VDMA Nord auf seinen Veranstaltungen anbietet. Die zeitnahe Betrachtung von Aspekten welche sich für das Unternehmen und dessen derzeitigen, sowie zukünftigen, Anforderungen stellen. Die Schaffung einer abteilungsübergreifenden Kommunikation im Betrieb, welche die traditionellen Strukturen überwindet, oder zumindest durchlässig macht. Interaktive Teams, durchaus auch mit fachfremder Beteiligung, welche sich kreativ, chaotisch und phantasievoll neuen Gedanken zur Unternehmenssituation in einer vernetzten Umgebung stellen, um diese strukturiert und planvoll zu gewichten. Dies schließt sich nicht aus! Eine agile Atmosphäre, getragen durch Vertrauen und Wertschätzung, in der auch mal abwegiges gedacht und diskutiert werden kann, ohne gleich auf Abwege zu geraten.

Dabei dürfen Aspekte wie die Maschinensicherheit oder die Einhaltung der rechtlichen Anforderungen auch unter dem Aspekt der Digitalisierung nicht ausgeblendet werden. Im Gegenteil, denn Altanlagen mit neuer Steuerung, Sensorik oder vernetzt mit anderen Maschinen betreiben bzw. neu auf dem Markt bereitstellen, das wird die Komplexität für die Hersteller und Betreiber von Maschinen- und Anlagen beachtlich erhöhen. Wer schon heute mit Begrifflichkeiten wie der “Gesamtheit von Maschinen“ oder der “wesentlichen Änderung“ hadert, sollte sich alsbald mit den Herausforderungen des europäischen Binnenmarktes und den Kundenforderungen aus aller Welt auseinandersetzen. Sonst droht Ungemach. Die Möglichkeiten der Digitalisierung in der Industrie sind vielfältig, interessant, zukunftsweisend und vielversprechend. Die Gefahren welche dabei auf die Hersteller und Betreiber lauern, sind es ebenso.

Die Aktivitäten des VDMA Landesverbandes Nord, z.B. auf der NORTEC 2018 oder als Veranstaltung “Quo vadis - Industrie 4.0“, werden genau diese Inhalte aufgreifen und behandeln, damit sich Unternehmen ihrer eigenen Industrie 4.0 Herausforderung stellen und diese hinterfragen können. Dabei gibt es keine einheitliche Vorgehensweise zu kolportieren, sondern Anleitung zur “Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben, so wie dies auch auf den Seminaren zum Thema des VDMA Nord in den Unternehmen praktiziert wird.

Ansprechpartner ist Axel Sandvoß, VDMA Landesverband Nord,
Email: axel.sandvoss@vdma.org, Tel.: +49 40 507207 13, Referent und Moderator für die Mitglieder orientierten Veranstaltungen.