Projekt Be.Ing! Mentoren gesucht

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Be.Ing! unterstützt zugewanderte Ingenieure auf dem Weg in den Arbeitsmarkt. Engagierte Profis spielen dabei eine maßgebliche Rolle.

„Als Mentorin oder Mentor kann man Türen öffnen und Wege ebnen. Und das bereitet mir sehr viel Freude“, sagt Anna Kerstin Usbeck, Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg, im Department Maschinenbau und Produktion. Seit 2016 engagiert sie sich zusätzlich zu ihrem Lehrdeputat für Be.Ing!, ein Teilprojekt des IQ Netzwerks Hamburg – NOBI, das zugewanderte Ingenieurinnen und Ingenieure aus aller Welt bei der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt unterstützt. Denn für Usbeck steht fest: „Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung, unterschiedliche Menschen und Kulturen zu integrieren, ohne das Thema Heterogenität zu tabuisieren“.

 

Seit 2014 führt die Bildungsinstitution Interkulturelle Bildung Hamburg e. V. (IBH) diese Brückenmaßnahme durch, die durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Module wie Fachsprache, Kommunikationstraining, Business Knigge und ein intensives Bewerbungscoaching bereiten die ausländischen Fachkräfte auf die Gepflogenheiten und sprachlichen Anforderungen der hiesigen Arbeitswelt vor. Ein abschließendes Praktikum vermittelt Einblicke, Erfahrungen, Kontakte und erweitert die Deutschkenntnisse.

 

Die Bilanz von Be.Ing! ist beachtlich: 85% der Teilnehmenden finden tatsächlich ein Praktikum – ein Jahr nach Ende der Maßnahme sind ca. 65% in Arbeit oder haben eine klare Zukunftsperspektive entwickelt. Der Erfolg hat vor allem zwei Gründe: Ein Konzept, das ständig reflektiert und optimiert wird, und die Öffnung der Hamburger Unternehmen für zugewanderte Ingenieure. Hamburg Wasser, Sigmar Aldrich GmbH, TÜV Hanse oder Jungheinrich – immer mehr Betriebe stellen Praktikumsplätze zur Verfügung und befördern damit die Integration in den Arbeitsmarkt.

 

Ein weiterer Baustein des Erfolgs sind die Mentoring-Partnerschaften. 2015 erstmals eingeführt, hat sich das Zusatzangebot längst als fester Bestandteil etabliert. So steht den Be.Ing!-Teilnehmern ein tatkräftiges Netzwerk aus erfahrenen Ingenieurinnen und Ingenieuren zur Seite, in dem neue Mitstreiter jederzeit willkommen sind. Drei Monate dauert eine Betreuungsphase, frei einteilbar mit ca. vier bis sechs Stunden Zeit monatlich. Und die Erfahrung hat gezeigt: Der Erfolg von Be.Ing! ist zu großen Teilen diesen ehrenamtlichen Unterstützern zu danken.

 

Dabei spielt die Vermittlung von Erfahrungen, Fachwissen und Branchenkenntnissen eine große Rolle, genauso wie der Austausch über kulturelle Unterschiede, im Berufsalltag wie im ganz normalen Miteinander. Auch die Stärkung des Selbstvertrauens und das Ringen um eine realistische Einschätzung der Fähigkeiten und Erwartungen sind wichtig, denn Mentees haben oft im Zuge der Einreise- oder Asylverfahren einige Jahre Abstand zum Studium oder zum Arbeitsmarkt in ihrem Herkunftsland. Und: Mentoren können Türen öffnen bei der Suche nach Praktikumsplätzen.

 

Für Usbeck ist das Mentoring eine Herzensangelegenheit: „Menschen, die sich für ihren Beruf engagieren, sollen eine Chance bekommen und eine Zukunftsperspektive entwickeln“, sagt sie. Da das Ingenieurwesen in Deutschland nach wie vor eine Männerdomäne ist, setzt sie sich besonders für weibliche Mentees ein. So hat sie zwei junge Maschinenbauingenieurinnen aus Serbien bzw. Spanien bei ihren ersten Schritten in die Arbeitswelt unterstützt. Und das mit großem Erfolg: Eine Mentee entwickelt mittlerweile als wissenschaftliche Mitarbeiterin der HAW Programme für die Industrie 4.0, die andere absolviert gerade ein Praktikum bei SKF Marine und steht vor dem nächsten Schritt: der Suche nach einer Stelle als Ingenieurin.

 

Zugegeben, ehrenamtliches Engagement bedeutet auch Arbeit, zusätzlich zu den Anforderungen der hauptberuflichen Tätigkeit. Doch wer gern Wissen vermittelt, Erfahrungen weitergibt und sich für die Integration zugewanderter Kolleginnen und Kollegen engagieren möchte, erfährt auch viel Zufriedenheit. „Es ist eine große Freude zu sehen, wie Menschen ihren eigenen Weg finden und gehen“, so Usbeck.

 

Wer die Brückenmaßnahme mit Mentoring-Partnerschaften, Gastvorträgen oder Praktikumsplätzen unterstützen möchte, kann gern Kontakt aufnehmen mit:

 

Silke Kirsch, IBH Interkulturelle Bildung Hamburg e.V., Projekt Be.Ing!

Festnetz 040 25 306 25 25

Mail: silke.kirsch@ibhev.de